Landgericht Aachen:  Gerichtsgebäude

 

Die Geschichte unseres Gerichtsgebäudes

Informationen zur Geschichte unseres Gerichtsgebäudes
Der Haupteingang des Gerichts von 1929 Der Haupteingang des Gerichts von 1929


Zur Geschichte unseres Gerichtsgebäudes

Wer heute das Landgericht am Adalbertsteinweg betritt, begibt sich auf historischen Boden. Dort, wo sich der Innenhof befindet, trafen sich am 18. Oktober 1818 König Friedrich Wilhelm III. von Preußen, Kaiser Franz I. von Österreich und Zar Alexander I. von Russland zum sogenannten Aachener Kongress, um den fünften Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig zu feiern und die Freundschaft zwischen ihren Völkern zu bekräftigen. Später errichtete man hier das Kongressdenkmal, das dann dem Neubau des Landgerichts weichen musste. Land- und Amtsgericht gehen in ihrer heutigen Form als für alle Bevölkerungsschichten zuständige Gerichte mit relativ großen Bezirken auf die Zeit der französischen Besetzung Ende des 18./ Anfang des 19. Jahrhunderts zurück. Vorher hatte es im Gebiet des späteren Landgerichts nicht weniger als 18 souveräne Landesherrschaften gegeben, die alle über eigene Gerichte und eigenes Recht verfügten.

Die Franzosen gestalteten das Gerichtswesen grundlegend um. Sie richteten zunächst 1794 ein Friedensgericht - den Vorläufer des heutigen Amtsgerichts – ein. Im Jahre 1798 erhielt Aachen auch ein Korrektionnellgericht, das 1802 in dem neu geschaffenen Gericht Erster Instanz - dem Vorläufer des Landgerichts – aufging; daneben gab es das Kriminalgericht. Im Jahre 1814 fiel der Aachener Bezirk an Preußen. An der Gerichtsorganisation änderte sich nun fast nichts mehr, nur die Grenzen der Gerichtsbezirke wurden teilweise neu gezogen. Das Gericht Erster Instanz benannte man zunächst in "Kreisgericht" und im Jahre 1820 dann in "Landgericht" um. Das Friedensgericht blieb unter seinem alten Namen bestehen und wurde erst 1879 durch das „Amtsgericht“ ersetzt.

Hatte das Tribunal Erster Instanz während der Franzosenzeit seine Sitzungen in einem von der Stadt angemieteten Teil des Rathauses abgehalten, so wurde sein Nachfolger, das Kreisgericht, seit 1814 auf dem Gelände des früheren Franziskanerklosters in der Großkölnstraße 37 untergebracht. Da die dortigen Räumlichkeiten jedoch zu beengt waren, errichtete man an dem bereits bestehenden Gebäude einen Ergänzungsflügel, der zwischen Oktober 1826 und Spätherbst 1828 entstand. Ende 1828 waren dort das Landgericht, das Handelsgericht und das Friedensgericht untergebracht. Das Aachener Friedensgericht hatte ursprünglich gar keine eigenen Räumlichkeiten besessen.

Die Richter mussten die Sitzungen in ihren eigenen Häusern abhalten. Im Jahre 1822 waren erstmals in Aachen Räumlichkeiten für das Friedensgericht angemietet worden, nämlich 3 Räume im Hause des Architekten Simar in der Peterstraße 41. Ende 1828 wurde dann das Aachener Friedensgericht im Landgerichtsgebäude in der Großkölnstraße untergebracht. Als auch diese Räumlichkeiten wieder zu eng wurden, zog das Friedensgericht aus dem Hause Großkölnstraße 37 aus und hatte seinen Sitz zunächst im Gesellschaftshaus in der Pontstraße und später im Hause Adalbertsteinweg  8.

Damals noch allein auf weiter Flur Als man im Jahre 1874 den Plan eines Neubaus für das Landgericht ernsthaft in Erwägung zog, schwankte man zwischen dem bisherigen Gelände zwischen Großkölnstraße, Seilgraben und Neupforte einerseits und einem neuen Gelände in der Nähe des am Adalbertsteinweg bereits vorhandenen, im Jahre 1874 in Benutzung genommenen Gefängnisses. Dem beim Gefängnis gelegenen Grundstück gab man schließlich den Vorzug, obwohl die Altstadt zuvor beharrlich um den Erhalt des Gerichtes in ihrem Bezirk gekämpft hatte. Im Herbst 1883 begann man mit dem Bau des Gebäudes Kongressstraße 11, das noch heute im wesentlichen unverändert besteht.

Am 24.3.1888 wurde es mit einem kleinen Festakt im Schwurgerichtssaal eingeweiht. In ihm waren sowohl das Land- als auch das Amtsgericht untergebracht. Errichtet wurde es im damals modernen neugotischen Stil. An der Fassade sind heute noch vorhanden ein preußisches Wappen und zwei große Figuren, von denen die eine Karl den Großen darstellt und die andere Kaiser Wilhelm den I., der nur wenige Wochen vor Einweihung des Gebäudes verstorben war.

Das neue Gebäude war jedoch eigentlich bereits bei seiner Fertigstellung schon wieder zu klein. Nach Baubeginn hatte man nämlich noch nachträglich Räume für die seit 1885 der Justizverwaltung unterstellten Gerichtskassen und das neu anzulegende Grundbuch einarbeiten müssen. So beschloss man im Jahre 1913 den Bau des heutigen "Neubaus" am Adalbertsteinweg 90 als Erweiterungsgebäude. Errichtet werden sollte er auf dem historischen Platz des Aachener Kongresses, an den das Kongressdenkmal erinnerte, das sich ziemlich genau auf der Fläche des heutigen Innenhofes befand.

Hatte man zunächst vorgesehen, das Kongressdenkmal wieder in dem neuen Innenhof des Gerichts aufzustellen, so entschloss man sich letztendlich doch im Interesse eines leichteren Zugangs für die interessierte Öffentlichkeit für eine Aufstellung im Stadtgarten, die im Jahre 1928 dann auch erfolgte. Die Ausführung des Gerichtsgebäudes selbst sollte sich noch lange verzögern, zunächst durch den Ersten Weltkrieg, dann durch den Rhein-Ruhr-Kampf. Als einzige Maßnahmen hatte man noch im Jahre 1914 das Kongressdenkmal abgebrochen und in der nördlichen Hofhälfte des alten Gerichtsgebäudes gelagert sowie die hohen Abschlussmauern zum Gefängnisgelände hin errichtet.

Der Eingang zum Schwurgerichtssaal im Altbau Erst am 7.6.1926 erfolgte schließlich der erste Spatenstich zur Ausführung des Neubaus, für den nach dem Krieg neue Baupläne erstellt worden waren. In der letzten Woche des September 1929 wurde der Bau bezogen und am 28.10.1929 mit einem Festakt in der über dem Eingangsbereich gelegenen großen Flurhalle im 1. Obergeschoss feierlich eingeweiht.  Schon damals pflegte man freundschaftliche Beziehungen zu den Nachbarstaaten und so nahm neben etlichen anderen Ehrengästen auch der Oberstaatsanwalt von Maastricht an der Eröffnungsfeier teil.

Im Rahmen des Festaktes wurde auch der Schlussstein gesetzt,  und zwar in eine  später verschlossene Mauernische am nordwestlichen Mauereckpfeiler des ins 2. Obergeschoss führenden Haupttreppenhauses. In bewusster Anlehnung an die Aachener Bautradition verwendete man für die Fassaden des Neubaus Backstein und Muschelkalkstein. Bei der Bauausführung hatte man im übrigen großen Wert auf die künstlerische Gestaltung gelegt.

Insbesondere wirkte als Künstler Prof. Wallner aus Köln, Lehrer an den dortigen Werkschulen. Von ihm stammen die Keramiken um die Eingänge zu den Verhandlungssälen, die Säulenkapitelle in den großen Wartehallen neben und über dem Eingangsbereich, die Pilasterkapitelle an der Straßenfront und der die Tierkreiszeichen zeigende Rahmen des Hauptportals an der Straßenfront. Die Kapitelle der Fassade zum Adalbertsteinweg hin zeigen - wie man 1929 schrieb - auf der linken Seite "die allgemeinen Fundamente einer Volksversammlung: Die Religion, welche die sittlichen Normen setzt, den Staat als den Träger der öffentlichen Gewalt und das Recht, welches die Grundlage des Gemeinschaftslebens bildet".

Auf  der rechten Seite finden sich "in engerer Beziehung zum Hause, die Wahrheit, die Gerechtigkeit und die Sühne". 

Von großer Schönheit sind auch die Kunstschmiedearbeiten von Meister Carl Wyland aus Köln, nämlich insbesondere das große Portalgitter und das Haupttreppengeländer. Bemerkenswert ist auch die Eingangshalle, die mit ihren marmorverkleideten Wänden und den Weißbronzefenstern den Geist der Erbauungszeit atmet, der früher noch durch entsprechende Bronzelampen im Stil der 20er Jahre verstärkt wurde. Ferner waren die Sitzungssäle in künstlerischer Weise mit Holz vertäfelt und mit bunten Fenstern verglast. Die Sitzungssäle waren bis auf zwei Säle für das Amtsgericht im Südflügel des 1. Obergeschosses ursprünglich sämtlich zum Adalbertsteinweg hin gelegen, da man die Räume der Nordlage wegen als Arbeitsräume nicht für geeignet hielt. In der Mitte des Innenhofs befand sich ein Brunnen mit einem steinernen Merkur von Wolfgang Wallner, Bildhauer und Professor an der Kunstakademie in Köln. Die Figur hatte zunächst am Haupteingang des Kölner Messegeländes gestanden, war dort jedoch im Jahre 1928 beim Umbau des Geländes für die Pressa-Ausstellung entfernt worden und schließlich von Prof. Wallner für den Aachener Justizneubau gestiftet worden.

Schon bald genügte auch das erweiterte Gebäude nicht mehr den Raumanforderungen von Amts- und Landgericht. Insbesondere die Abteilungen des Amtsgerichts waren auf drei verschiedene Standorte in der Stadt verteilt. Da auch die Staatsanwaltschaft in Aachen auf verschiedene Gebäude zersplittert war, wuchs schon in den sechziger Jahren die Idee, sämtliche Justizbehörden in Aachen unter ein Dach zu bringen. Über Jahrzehnte hinweg war dies jedoch ein Wunsch ohne Chance auf Realisierung. Noch am 29. November 1997 wurde in der Aachener Tagespresse unter dem Stichwort „Zwei Haftanstalten für immer und ewig?“ darüber spekuliert, ob es am Aachener Adalbertsteinweg jemals zu den geplanten Neuinvestitionen kommen werde. Ende des letzten Jahrhunderts war es dann aber soweit. Im Jahre 2000 lobte das Land Nordrhein-Westfalen einen internationalen Realisierungswettbewerb zum Bau eines neuen Justizzentrums aus. Den Wettbewerb konnte das Architekturbüro Weinmiller-Architekten für sich entscheiden. Beginn der ein Investitionsvolumen von 78 Millionen Euro umfassenden Bauarbeiten war dann im Januar 2004 mit dem Abriss der alten Justizvollzugsanstalt. Auf dem seit 120 Jahren für Vollzugszwecke genutzten Areal der alten Justizvollzugsanstalt Aachen am Adalbertsteinweg entstand nach der Verlagerung der Justizvollzugsanstalt und dem Abriss des alten Gebäudes ausreichend Platz, um in Erweiterung des alten Gerichtsgebäudes ein neues Justizzentrum zu errichten, in dem sämtliche Justizbehörden der Stadt Aachen ihren Standort haben sollten. Mit der Übergabe am Nikolaustag 2007 wurde der angekündigte Fertigstellungstermin von dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb Nordrhein-Westfalen - Niederlassung Aachen - pünktlich eingehalten. Die offizielle Einweihung des Justizzentrums durch die ehemalige Justizministerin Frau Roswitha Müller-Piepenkötter erfolgte schließlich am 30. April 2008.


 

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